Eine Reise endet und eine Neue beginnt!

Um unzählige Eindrücke, einzigartige Erfahrungen, interessante Kontakte, neuer Sichtweisen und Ideen reicher, landen wir nach einer etwas besonderen (Flug) Reise wieder in der Heimat. Das Team von Pegasus ist zurück. Das Adjektiv „einzigartig“ ist in diesem Zusammenhang jedoch vielschichtig und umfasst nicht ausschließlich positive Erlebnisse. So zählen wir neben ein paar neuen XC Punkten auch einen gebrochenen Knöchel zu unserer Rückreisebilanz. Aber zunächst der Reihe nach.

Der südlichste Punkt Europas

Es ist Winter und unser fliegerisches Herz hungert nach Erfüllung. Außerdem sind die ersten elektronischen Komponenten fertiggestellt und die ersten Daten müssen gesammelt und ausgewertet werden.

Inspiriert durch die auf You Tube hochgeladenen Gleitschirm Videos von Ondrej Prochazka, entscheiden wir uns für die Kanaren und reisen zur kleinsten, südlichsten, unbekanntesten und vielleicht abwechslungsreichsten Insel.

Entschleunigung

Kaum betritt man die Insel nach vier Stunden Flug und zweieinhalb Stunden Fahrt mit der Fähre, zieht einen die Insel auch schon in ihren Bann. Atemberaubend empfinden wir die abwechslungsreiche Natur, gepaart mit einem ruhigen, bodenständigen, durchaus auch ökologischen, aber stets freundlichen Lebensstil der rund 7.000 Inselbewohner. Es ist erstaunlich, wie abwechslungsreich Fauna, Gelände und Klima auf einer „nur“ rund 250 km² großen Insel sein können.

Fliegerisch anspruchsvoll

Nahezu überall trifft man auf Hügel und Felswände, ausgerichtet in alle Himmelsrichtungen mit bis zu 1.500m Höhenunterschied. Auf den ersten Blick ein ideales Fluggebiet, doch der Schein kann trügen. Nicht zuletzt erhalten wir vor unserer Abreise von einem erfahrenen Fluglehrer einen Hinweis zu besonderer Vorsicht mit dem durchaus sehr speziellen Windsystem dieser Insel. Diesem Hinweis schenken wir zwar durchaus Beachtung und informieren uns auch über die lokalen Bedingungen und Risiken, aber die daraus resultierenden Folgen leiten wir allerdings nicht vollständig ab. Die Lücke wird allerdings und bedauerlicherweise recht schnell in der Praxis geschlossen

Unsere Gruppe besteht aus drei Piloten und Elsa, die einzige Nichtfliegerin. Mittlerweile sind bis auf Jürgen alle auf der Insel eingetroffen. Es herrscht untypischerweise Westwind. Eigentlich ideal zum Soaren im El Golfo Tal. Wir zwei Piloten und Elsa besichtigen alle offiziellen Startplätze und treffen dabei auf eine Gruppe von sechs Acro Piloten, welche eindrucksvoll mit ihren Schirmen für die Weltmeisterschaft in Norwegen und Italien trainieren. Im Vergleich zu den 16m² Auslegefläche der Schirme der Acro Flieger sind unsere Schirme regelrechte Schiffe (bis 28m²) und an Fliegen ist für uns nicht zu denken. Daher vertreiben wir uns die Zeit mit der Besichtigung der durch Lavagestein geschaffenen Steilküste mit ihren natürlichen Becken und Höhlen.

Verhängnisvolle Wolken

Der Wind ist am nächsten Tag schwächer und erscheint fliegbar. Nur die geschlossene Wolkenbasis klebt am Hang auf niedrigen 700m. Wir begeben uns also zum tiefsten Startplatz in Sabinosa auf ca. 200m.

Die Starts gestalten sich problemlos und mit ein paar Minuten Versatz befinden wir uns neben ein paar Acro Piloten in der Luft. Vom Boden aus werden wir durch Elsa beobachtet und per Funk unterstützt. Noch ahnt niemand, dass diese beiden Flüge einen diametral unterschiedlichen Verlauf nehmen werden.

Der Aufwind ist stark, nah am Hang herrscht kontinuierliches 4m/s Steigen. Erst weit vom Hang entfernt über dem Meer ist mit Hilfe von Abstiegshilfen Sinken möglich. Während eines angenehmen Flugs in Richtung Frontera, spielt sich auf der anderen Seite über Sabinosa ein regelrechtes Drama ab.

Was war passiert? Bedingt durch einen sehr hangnahen Flug legte der andere Pilot innerhalb kürzester Zeit mehrere hundert Höhenmeter zurück. Die steile Wand in Kombination mit dem frontalen Wind förderte ein sehr breites und starkes Aufwindband. Ein Entkommen bei Wolkenberührung war ausgeschlossen. So nahm das Schicksal seinen Lauf und der Pilot befand sich innerhalb von Sekunden vollständig in der Wolke. Trotz eingeleiteter Abstiegshilfen (angelegte Ohren oder Steilspirale) stieg dieser schnell in sehr turbulenter Luft innerhalb der Wolke um weitere 500m. Letztendlich wurde der Flieger, weiterhin in der Wolke befindlich, unbemerkt über die Hangkante getragen und nach ungefähr 6km Strecke auf einem Hochplateau in ca. 1200m Höhe abgesetzt und konnte dort unbeschadet notlanden.

In Anbetracht der unmittelbaren Felswand und der nahen Meeresküste erscheint der glimpfliche Ausgang dieses Fluges als wahrer Glücksfall. Der Abend endet mit einem gemütlichen Landebier an der Küste vor Frontera, während im Hintergund langsam die Sonne am Horizont untergeht.

Steinwände wohin das Auge blickt

Aufgrund des Schreckens am Vortag, ist für den Start des Folgetages zunächst nur ein kurzer „Hike & Fly“ Flug als Warm-Up geplant. Direkt neben unserem Haus befindet sich der kleine Hügel, Montana des las Rosas, welcher hierfür passend erscheint.

Nach ca. 15 Minuten liegt der Aufstieg hinter uns und wir blicken auf das, ca. 150m, tiefer liegende Hochplateau aus Weiden und Feldern. Es herrscht ca. 15 km/h östlicher Wind und das Gelände scheint nicht außergewöhnlich anspruchsvoll.

Bedingt durch den kleinen Startbereich starten wir beide mit mehren Minuten Versatz. Start und Flug gestalten sich angenehm. Im Hangaufwind können wir uns ein paar Minuten über San Andres halten. Die Landung entwickelt sich allerdings zu einer wahren Herausforderung: Unter uns befinden sich zwar Felder und Wiesen, allerdings sind diese von vielen kleinen unregelmäßigen Steinmauern durchzogen. Das ganze Areal ist zudem von zwei Stromleitungen eingezäunt.

Das Land ist von aufgeschichteten Steinwänden überwuchert

Gefragt ist somit eine gezielte Landung innerhalb eines der eingemauerten Segmente. Bedingt durch unerwartetes Steigen muss der zweite Pilot seine Landeinteilung kurzfristig ändern und entscheidet sich zu einer tiefen letzten Drehung. Hieraus folgt ein hartes seitliches Aufsetzen. Der Knöchel des Piloten ist diesen Belastungen nicht gewachsen und gibt nach.

Nach einer Fahrt ins örtliche Krankenhaus liegt dann leider die bittere und unabänderliche Erkenntnis vor: Der Urlaub des Piloten endet hier. Vom Knöchel und Mittelfuß haben sich mehrere Splitter gelöst, zudem sind zwei Bänder gerissen. Langsam dämmert uns die Erkenntnis, dass dieses Fluggebiet durchaus anspruchsvoll ist und andere Risiken als die heimischen Alpen bietet.

Am gleichen Abend trift unser letzter Pilot Jürgen ein. In Anbetracht der Ereignisse der beiden vergangenen Tage ermahnen wir uns zu mehr Vorsicht.

Fliegen im Lee

Am nächsten Tag herrscht klassischer Passatwind aus Ost. Am Nachmittag setzt im geschützten westlichen El Golfo Tal Thermik ein. Die Kombination aus Thermik und hohen Felswänden ermöglicht nun auch Flüge in diesem Bereich der Insel.

Wir starten vom höchsten Startplatz ‚El Golfo‘ auf 1.300 m und halten uns von den nahen Wolken fern. Dieses Risiko ist somit gebannt. Die nächsten 45 Minuten gestalten sich als eine etwas turbulente aber durchaus angenehme Mischung aus Thermikflug und Soaren.

Neben den Wolken muss auch ständig der Wind bzw. die Thermik beobachtet werden. Da Ersterer für gewöhnlich dynamisch ist, kann es vorkommen, dass bei einer Abschwächung der Passatwind durchbricht. Somit können Leeturbulenzen und starker Bodenwind entstehen.

Dies geschieht auch an diesem Tag. Es setzt starker Wind vom Meer ein und Vorwärtsfahrt ist kaum noch möglich. Eine kluge Entscheidung wäre es gewesen, den leicht erreichbaren Landeplatz im Zentrum von Frontera anzusteuern. Stattdessen versuchen wir den in Richtung Meer liegenden zweiten Landeplatz zu erreichen. Dies gelingt uns beiden allerdings leider nicht und so sind beide Piloten zu Außenlandungen im unwegsamen Lavagestein gezwungen, welche allerdings ohne Verletzungen oder Beschädigungen verlaufen. Lediglich die Bergung der Schirme gestaltet sich aufwändig, da sich die Leinen leicht in dem scharfen Vulkangestein verfangen und der ständig vom Meer her wehende Wind bereits befreite Leinen und Schirmbereiche sofort wieder im schwarzen Lava verankert.

Hike & Fly + Landung am Strand

Die neuen Erfahrungen im Hinterkopf erkunden wir während der nächsten Tage nach und nach die Insel. So ergeben sich viele schöne Flüge.

Eine der schönsten Strecken ist hierbei die Wanderung auf den Bergkamm nahe Tinor mit anschließendem Flug in den Süden der Insel. Ein passendes Ende ist die Landung am Strand in La Playas. In Verbindung mit einigen kühlen Landebieren an der nahen Strandbar findet der Tag den passenden Ausklang.

Thomas De Dorlodot

Thomas de Dorlodot

Wie es der Zufall will, treffen wir im Laufe der nächsten Tage auf den X-Alps- Piloten und Flugveteranen Tom De Dorlodot, welcher zu diesem Zeitpunkt gerade mit seinem Seegelboot, der ‚Search Projects‘, auf El Hierro angelegt hat. Uns entsteht der Eindruck, dass die Insel zwar allgemein als eher unbekannt, in der Flugszene bei den besten Pilot aber als regelrechter Geheimtipp und guter Trainingsspot gilt.

Wir kommen ins Gespräch und lernen auch das jüngste Teamitglied Jack und dessen Mutter Sofia kennen. Tom berichtet von der Segelreise der jungen Familie mit der ‚Search Projects‘ und vom anstehenden X-Alps Rennen. Unserseits berichten wir von unserem Vorhaben mit PEGASUS, welches auf positives Interesse stößt. Wir nutzen die Chance und vereinbaren vor dem X-Alps-Start ein Treffen in Salzburg in Verbindung mit einem Probeflug unseres Prototypen. Danke für die Chance Tom, wir sehen uns im Juni in Salzburg!

Pegasus

PEGASUS

Neben dem fliegerischen Vergnügen nutzen wir die Zeit natürlich auch für PEGASUS. Es wird diskutiert, recherchiert, entwickelt, Daten ausgewertet, Konzepte geschrieben und Kontakte mit möglichen Partnern und Behörden geknüpft.

Die Grundlage ist geschaffen und unsere Ziele sind gesteckt. Eine neue und aufregende Reise beginnt! Wir laden euch ein uns auf diesem Weg zu begleiten und gemeinsam mit uns in eine spannende Zukunft zu starten.

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.